Als Gast auf einer Hochzeit…

Hier seht ihr das Ergebnis eines laaaange geplanten Projektes und berichte euch von meiner nervlichen Achterbahnfahrt.

Im Frühjahr bekam ich die Einladung zu einer Hochzeit auf einem Schloss. Da ich schon immer ein langes Abendkleid nähen wollte, war es die perfekte Gelegenheit! Also hab ich immer mal wieder geschaut, was für ein Kleid mir gefallen würde. Puh, das war gar nicht so einfach. Es gibt wirklich viele schöne Designs! Ja, ich hätte mir auch eins kaufen können (und ich war kurz davor, aber dazu später mehr), aber so 100% hat mir keins zugesagt. Meistens fand ich die Farben zu trist. Warum gibt es so viele Abendkleider in dunklen Tönen? Ist das Leben so trist? Naja, ich hatte ein lachsfarbenes Kleid vor Augen und da mir dieses Bild nicht mehr aus dem Kopf ging, hielt ich an der Idee fest.

Ein passendes Schnittmuster zu finden, war ein schwieriges Unterfangen. Damit hab ich mich wirklich sehr schwer getan. Wahrscheinlich fehlte mir unterbewusst das Selbstvertrauen, es tatsächlich hinzubekommen. Ich hatte einen echt hohen Anspruch und wollte etwas Besonderes. Also habe ich mir ein amerikanisches Schnittmuster bestellt. Nach dem ich die passende Größe abgepaust hatte, hab ich beschlossen, dass das Design für eine Hochzeit doch nicht so passend ist. Weiter ging die Suche. Manchmal nervt mich meine innere Stimme, die sich einfach nicht entscheiden kann.  

Der passende Schnitt ließ auf sich warten. Deswegen habe ich mich erstmal um den passenden Stoff gekümmert. Das war nochmal eine Nummer für sich. Online ist es super schwer den Stoff einzuschätzen. Da hat man ja nur das Foto und die Angaben zu Gewicht usw. Aber wie er sich wirklich anfühlt, weiß man natürlich nicht. Das ist dann die große Überraschung. Also bin ich los und habe in Potsdam und Berlin geschaut. Schlussendlich bin ich auch fündig geworden. Allerdings musste ich einen Abstrich machen: der Oberstoff ist leider aus Polyester. Dafür ist das Futter aus Viskose (immerhin der Stoff, den ich auf der Haut trage). Dazu noch ein nahtfeiner Reißverschluss und fertig.

Den Stoff habe ich mir dann einfach mal vor den Körper gehalten, um zu schauen, wie er fällt. Das ist nämlich ein entscheidender Punkt. Ein Stoff fällt wie er fällt und sollte nicht in eine Form gezwungen werden, für die er nicht gemacht ist. Mit dem Ergebnis wirst du einfach nicht zufrieden sein. Für mich wurde es ein Schnitt aus dem Buch Kleider nähen *. Daraus habe ich das Basic-Oberteil und den geraden Rock verwendet. Beides habe ich an meine Maße angepasst. Beim Oberteil habe ich zusätzlich noch den Ausschnitt geändert. Den Rock habe ich nur als Grundlage benutzt. Daraus wurde erst ein Rock in A-Linie, den ich dann noch erheblich verlängert habe.

Der Zuschnitt bei solch einem langen Rock hat leider nicht auf meinen Tisch gepasst, so dass ich mich auf den Boden gesetzt habe. Bei solch einem flutschigen Stoff ist das gar nicht so einfach und ich musste wirklich doll aufpassen, dass da nichts verrutscht.

Der beste Part war natürlich das Nähen selbst! Dank einem Makerist-Kurs war es mit dem nahtfeinen Reißverschluss auch an sich ganz easy. Nur habe ich mich für schlauer als die Anleitung aus dem Buch gehalten und nachdem das Oberteil inkl. Futter fertig genäht war, hab ich festgestellt, dass sich das nicht so wenden ließ, wie ich gedacht habe… Uff. Da war ich kurz davor alles hinzuschmeißen, weil es zwei Tage vor der Hochzeit war. Ich konnte das Kleid echt nicht mehr sehen. Aber Geld für ein neues Kleid ausgeben wollte ich dann auch nicht. Also nochmal hingesetzt, alles aufgetrennt (juhu Reißverschluss auftrennen….) und neu zusammengenäht. Ihr glaubt gar nicht, wie stolz ich war, als es endlich alles fertig war!!! Und dann gab’s auf der Hochzeit auch noch jede Menge Komplimente ? Hach, dafür lohnt sich die Mühe alle Mal!

Bist du vielleicht auch auf der Suche nach einem passenden Kleid, aber weißt nicht, worin du wirklich strahlst und dich wohl fühlst? Dann schreib mir gern und wir schauen, ob wir für dich eine Lösung finden 🙂


Tips:

  • Änderungen immer ohne NZ, danach aber wieder anzeichnen!
  • Bei Änderungen in der Weite, diese jeweils am Ober- und Rockteil durchführen
  • Den Halssausschnitt bei feinen Stoffen ruhig mit Formband verstärken, damit dieser in Form bleibt. Gerne auch leicht raffen, damit er besser anliegt
  • Näht ein Probekleid!!! Dann ärgert ihr euch nicht und müsst im besten Fall am Originalkleid nichts mehr auftrennen
  • Bei feinen Stoffen eine feine Nadel verwenden: Microtex 60, feines Garn
  • Die Schnittkanten nicht mit der Overlock versäubern, wenn das Kleidungsstück (hier das Oberteil) eng am Körper anliegt, da es sonst durchdrücken könnte (vorher testen). Ich habe die Kanten mit einer Zickzackschere gekürzt, so fransen sie nicht aus.
  • Das fertige Kleid hat aufgrund seiner Länge ordentlich Gewicht! Das solltet ihr bei der Wahl der Ausschnitttiefe berücksichtigen
  • Wenn der Oberstoff aus Polyester besteht, unbedingt ein Futter verwenden (nicht aus Polyester), da das Kleid sonst dauernd am Körper klebt (besonders wenn ihr eine Strumpfhose tragt)

*Affiliate-Link, kostet euch nix, aber ihr supportet mich damit etwas 🙂

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